Dresden, März 2007

Edita Gruberova ist eine weltbekannte Opernsängerin. Ihre Mutter war Ungarin, der Vater Deutscher. Geboren und aufgewachsen ist sie in der Slowakei; heute lebt sie bei Zürich in der Schweiz.

Ihre internationale Karriere begann Anfang der 70er Jahre an der Staatsoper in Wien. Der endgültige Durchbruch gelang ihr 1976, als sie unter Karl Böhm als Zerbinetta in Richard Strauß' Ariadne auf Naxos begeisterte. Ihr 100. Auftritt in dieser Inszenierung von Filippo Sanjust, der gleichzeitig auch ihr letzter als Zerbinetta war, wurde am 06. Dezember 2009 noch einmal stürmisch gefeiert. Die Rolle selbst hat sie weit über 200 Mal gesungen.

Am 19. Februar 2008 feierte sie ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum.

Sie gilt als Belcanto-Königin, hat sich aber auch als Liedsängerin einen großen Namen gemacht.

1994 hatte ich erstmals das große Vergnügen, sie an der Bayerischen Staatsoper in einer ihrer Paraderollen zu erleben: als Lucia di Lammermoor, in der gleichnamigen Oper Gaetano Donizettis, die sie zwischenzeitlich über 200 Mal auf der Bühne verkörpert hat.


Edita, Öl auf Jute, 40 x 40 cm, 2008: Alissa & Gloria Gans

Meine absolute Lieblingsoper, natürlich mit Edita Gruberova in der Hauptrolle, ist Roberto Devereux von Gaetano Donizetti, die in der Inszenierung von Christof Loy 2004 in München umjubelte Premiere hatte. Beate Kayser fragte anschließend: Wann ist Edita Gruberova je so gut gewesen? Matthias Bieber schrieb anlässlich der Festspielaufführung 2007: Sollte es so etwas wie Gerechtigkeit geben, dann wird in 30 Jahren nicht mit glänzenden Augen über Freiluft-Events mit Netrebko und Villazon geschwärmt, sondern etwa hiervon: Ich habe die Gruberova als Elisabetta gehört! Markus Thiel erlebte bei den Festspielen 2008 am Abend des EM-Endspiels Deutschland gegen Spanien "Roberto Devereux mit der Weltmeisterin": EM? An diesem Abend haben sie (gemeint sind die Gala-Gäste) besseres erlebt. Die Weltmeisterin. Anlässlich der Festspielaufführungen 2010 titelte die SZ "Gruberovissima" und Klaus P. Richter schrieb von einem Belcanto-Fest mit Edita Gruberova. Christa Sigg überschrieb ihre Eindrücke mit "Die Gruberova singt das Festspielpublikum aus dem Häuschen" und endet Und wenn sich Queen Grubi am Ende die Perücke vom Kopf reißt, sind sowieso alle platt. Ich habe diese Inszenierung inzwischen über 30 Mal live (und ungezählte Male auf DVD gesehen) - Edita Gruberova als Elisabetta  ist jedes Mal aufs Neue ein ganz großes Erlebnis. Das zeigen auch die Sprechchöre, die es immer wieder nach Vorstellungen ihr zu Ehren gibt.

Norma-Konzert, Wien, 16.11.2007: Cura, Garanca, Gruberova, Wenborne, Haider

Die Rolle, in der ich Edita Gruberova live am häufigsten erlebte, galt bislang als Paraderolle von Maria Callas. Die Rede ist von Vincenzo Bellinis Norma, über die Friedrich Haider sagt: Norma ist die leuchtende Finsternis. Ich bin zwar zu jung, um die Callas noch live erlebt zu haben. Aber beim Vergleich von Plattenaufnahmen der Callas zu Liveauftritten von Gruberova - ich denke dabei vor allem an die Vorstellungen vom 01.02.2008 in München und vom 09.08.2010 in Salzburg -  scheint mir letztere die Rolle viel eindrucksvoller interpretieren zu können. Edita Gruberova selbst hat lange gezögert, diese Rolle in ihr Repertoire aufzunehmen. Heute meint sie, damit am künstlerischen Gipfel ihrer Karriere angekommen zu sein, für den sie aber vor allem auch eine gehörige Portion Lebenserfahrung mitbringen muss: Das ist einfach durch Leben die Seele spielen lassen.

Im August 2010 konnte Edita Gruberova nach 19 Jahren Abwesenheit mit einer Galavorstellung, die auch als Geschenk bezeichnet wurde, einetriumphale Rückkehr bei den Salzburger Festspielen feiern. Die Presse bezeichnete sie als Königin von Salzburg, als eine Sängerin vom Olymp, als das Ereignis schlechthin, als ewiges Stimmwunder, als raren Fixstern und schrieb von einer alle Normen sprengenden Norma. Gert Korentschnig merkte dazu an: Wenn man wieder 19 Jahre wartet, bis man Gruberova engagiert, könnte es karrieremäßig schon recht spät werden. 

beim Empfang im Liceu, 22.02.2008

Am 22. Februar 2008 feierte sie eine vielumjubelte Premiere am Gran Teatre del Liceu in Barcelona in einer konzertanten Aufführung der Lucrezia Borgia von Gaetano Donizetti. Die Kritiken sprachen von einer "noche mágica" in der sie als "reina del la noche" einer großartigen Besetzung vorstand: Josep Bros als Gennaro, Ewa Podles als Maffio Orsini, Ildebrando D'Arcangelo als Don Alfonso. Im Anschluss daran gab Edita Gruberova anlässlich ihres Bühnenjubiläums einen Empfang für Kollegen, Mitarbeiter und persönlich ausgesuchte Fans.

Barcelona, 22.02.2008, Nico und Xavier

Ein Jahr später, am 23. Februar 2009 folgte die szenische Premiere an der Bayerischen Staatsoper. Die Inszenierung war erneut von Christoph Loy - nicht nur deshalb waren die Erwartungen hoch und die gesamte Premierenserie vom ersten Vorverkaufstag an restlos ausverkauft! Es wurde einmal mehr der ganz große Triumph DER Gruberova. Der Applaus erreichte - auch wegen der zahlreich aus aller Welt angereisten Fans - Dimensionen wie in Barcelona.

Im Rahmen dieser Premierenserie der Lucrezia Borgia fand am 08. März 2009 die Kinopremiere der Dokumentation "Die Kunst des Belcanto" von Stefan Pannen und Claus Wischmann statt: Hier ist den Machern ein sehr liebevolles und gleichzeitig uneitles Porträt der "Primadonna assoluterova" geglückt. Dabei werden die wichtigsten Stationen ihrer Karriere und das Wesen des Belcanto näher beleuchtet und Weggefährten versuchen das "Phänomen Gruberova" zu erläutern. Für mich hat der Film gleich zwei ganz besondere Momente: Einmal, wenn Jordi gedankenverloren auf dem Plaza Real sitzt; der zweite Höhepunkt ist die Zueignung von Richard Strauß mit Friedrich Haider am Klavier.

Eines der eindrucksvollsten Erlebnisse mit Edita Gruberova und Friedrich Haider hatte ich am 21. Juni 2009 im Gran Teatre del Liceu in Barcelona: Die beiden gaben einen Liederabend mit Mozart-, Schubert-, Dvorak und Strauß-Liedern, dem ein sehr gut gefülltes Haus mit großer Konzentration und Ausdauer lauschte. Der Abend endete jedoch erst nach 62 (!!!!) Minuten stehender Ovationen und 4 (!!) Zugaben.


Das Jahr 2012 brachte einige besondere Abende: den -vorerst- letzten Roberto Devereux in München, wie auch in Wien; die Rückkehr an die Oper in Zürich nach 10 Jahren  selbstgewählter Abwesenheit; eine neue Biographie von Markus Thiel; mit La Straniera noch einmal eine (konzertante) Premiere; sowie eine Roberto Devereux-Serie in Zürich, bei der neben einer Tochter auch die Enkelin als Statistin mit auf der Bühne stand. 2013 folgte u. a. die szenische La Straniera in Zürich, sowie eine Liederabend-Serie mit Alexander Schmalcz incl. dem letzten Grubi-Abend am Gran Teatro del Liceu.


Seit einigen Jahren versuche ich bei möglichst vielen Vorstellungen und Konzerten von Edita Gruberova live dabei zu sein. Dabei ergeben sich interessante Begegnungen mit Gleichgesinnten in verschiedenen Städten: München, Dresden, Hamburg, Bochum, Wien, Zürich, Barcelona, Basel, Luzern, Mailand, Frankfurt, Bern, Genf, Köln, Madrid, Bratislava, Gstaad, Mannheim, Duisburg, Brüssel, Rosenheim, Dortmund, Salzburg, Warschau, Berlin, Nizza, Essen, Potsdam, Prag, Baden-Baden, Fürth, Linz, Regensburg, Passau ... , wobei man wie in einer großen Familie immer wieder dieselben Menschen trifft.

Wien, Nov. 2007

Dabei lernte ich auch Katalin Szabó aus Budapest kennen, die die Fanpage von Edita Gruberova betreut. Auf ihr findet sich - neben vielen Fotos und Kritiken - vor allem immer der aktuelle Spielplan.

Niel Rishoi Edita Gruberova

Markus Thiel Der Gesang ist mein Geschenk

Stefan Pannen/Claus Wischmann Die Kunst des Belcanto

www.gruberova.com